Nationales Ärztekomitee Atomrisiko begrenzen - 2 * JA

 

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Texte der Pressekonferenz - Atomrisiko begrenzen – 2 x JA - Nationales Aerztekomitee zur Unterstützung von Strom ohne Atom

| Dr. med. Annette Ridolfi | Dr. med. Forat Sadry | Dr. med. Bettina Woelnerhannsen | Dr. med. D. Schlettwein | Dr. med. Paul Günter

Schaden und Atomrisiko begrenzen

Dr. Annette Ridolfi Lüthy, Leitende Ärztin pädiatrische Onkologie, Inselspital Bern

Die Atomenergie wird heute der Bevölkerung sozusagen als "Heilmittel" gegen die Klimaerwärmung verkauft. Der schönen Verpackung fehlt allerdings der Beipackzettel mit Informationen über die Risiken und Nebenwirkungen. Die Risiken sind nicht kalkulierbar, die Nebenwirkungen sind lebensbedrohend. Wäre Atomenergie ein Medikament - es müsste sofort vom Markt genommen werden.

Es besteht nicht der geringste wissenschaftliche Zweifel daran, dass ionisierende Strahlung - radioaktive Strahlung - Schäden am Erbgut des Menschen hinterlässt und Krebs sowie Leukaemien verursacht.

Es gibt eine lange und eindrückliche Kette von Indizien dafür, dass auch Atomanlagen und ihre Umgebung bei Menschen genetische Schäden und Krebs verursachen, sei es durch Direktstrahlung oder durch Emission radioaktiver Isotope.

Diese Schäden entstehen überall dort, wo Lebewesen der Strahlung ausgesetzt sind wie bei:

· der Gewinnung von Uran
· der Herstellung von Brennstäben
· dem Entweichen von Radioaktivität in Atomkraftwerken
· der Freisetzung von radioaktivem Material bei Unfällen
· der Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennstäben
· der Entsorgung radioaktiver Abfälle
· der "Endlagerung"

Vor allem die Wiederaufarbeitung ist alles andere als harmloses Recycling: Sie ist die grösste je dagewesene Verschmutzung unseres Planeten mit Radioaktivität.

Radioaktive Strahlung verursacht Krebs, auch bei Kindern. Kinder sind sogar 10 mal empfindlicher als Erwachsene. Wir Ärzte ziehen die Konsequenzen daraus. Aber warum nicht auch die Politiker ? Wer soll denn unsere Kinder schützen vor dieser grässlichen Bedrohung?

Dies stimmt mich nachdenklich.

Genau diese Gefühlslage drückt die "Helvetia" der Basler Künstlerin Bettina Eichin aus. Wir haben sie darum als Begleiterin vom Rhein in Basel hierher an diese Medienkonferenz mitgenommen.

"Helvetia auf Reisen" - wie wir sie hier sehen - zeigt nicht wie auf dem Zweifrankenstück das Symbol der Landesmutter oder der Wehrbereitschaft. Eichins Helvetia hat allen Mut zusammengenommen und sich von auferlegten Zwängen befreit. Sie hat den Koffer gepackt; sie hat sich auf die Reise gemacht; sie ist ausgestiegen. Auf einem Pfeiler der Mittleren Rheinbrücke in Basel ruht sie sich aus. Schild und Speer hat sie abgelegt. Helvetia hat abgerüstet.
Dass Helvetia im weltoffenen Basel neue Kraft für ihre lange Reise holt, ist für uns kein Zufall. Die Basler Bevölkerung hat den Atomausstieg schon vor der Tschernobyl-Katastrophe beschlossen und in der Kantonsverfassung festgeschrieben. In Basel hat die Energie-Zukunft schon lange begonnen. Dass sich Helvetia von uns abwendet und ihren Blick über die Grenze nach Europa richtet, hat auch etwas Wehmütiges: Während die meisten EU-Länder ihre Zukunft ohne Atomenergie planen, scheint es dem Bundesrat und dem Parlament nicht nur an Zuversicht sondern auch an Zukunftsglauben zu fehlen.

Den Zukunftsglauben und die Zuversicht, dass eine Zukunft ohne Atomenergie möglich ist, vermittelt das nationale Ärztekomitee "Atomrisiko begrenzen - 2 x Ja". Der Ausstieg aus der Atomenergie drängt sich nicht nur aus Risikoüberlegungen auf. Allein schon das Vorsorgeprinzip zwingt uns zum Umstieg auf risikoärmere Energietechnologien. Der Atomausstieg ist keine Frage der technischen Machbarkeit, sondern nur des politischen Willens.

Im nationalen Ärztekomitee kämpfen zur Zeit über 400 Ärztinnen und Ärzte aus der ganzen Schweiz. Und es werden laufend mehr. Sie werden unterstützt durch 58 prominente Mitglieder des Patonatskomitees und zwei grosse gesamtschweizerische Organisationen: die Ärztinnen und Ärzte für soziale Verantwortung (PSR) und die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU). Sie alle sind der Überzeugung, dass der Ausstieg aus der Atomenergieproduktion auch in der Schweiz eingeläutet werden muss und zwar jetzt. Am 18. Mai 2003 stimmt das Schweizervolk über die Initiativen "Strom ohne Atom" und "MoratoriumPlus" ab. Die am Biotop Erde und am menschlichen Genom angerichteten Schäden können wir nicht rückgängig machen. Wir können aber den Schaden und das Risiko begrenzen - durch den Ausstieg aus der Atomenergie.

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Gesundheit schützen statt Atomkraftwerke

Dr. Forat Sadry, Radiologin, FMH, GIVISION, 1762 Givisiez

Im September 1985 wurde das Atomkraftwerk in Creys-Malville in Betrieb genommen. Ich begann meine Ausbildung in Radiologie in Genf. Diese Ausbildung wurde von verschiedenen Zwischenfällen und Austritten von Natrium in diesem Atomkraftwerk begleitet, das weniger als einhundert Kilometer entfernt war.

Im Jahre 1986 absolvierte ich den ersten Teil meiner Fachexamina in Radiologie. Es war das Jahr von Tschernobyl. Im Jahre 1992 wurde das Detektionssystem in Sellafield bei einem Austritt von 25 kg Plutonium nicht ausgelöst ... Im Jahre 1997 bin ich bei einem Lehrgang für Strahlenschutz organisiert vom Bundesamt für Gesundheitswesen in Spiez gewesen...

Das Bundesamt für Gesundheitswesen hat kürzlich mehrere Studien veröffentlicht, die meine Aufmerksamkeit erregt haben. Es handelt sich um das Mass an Radioaktivität, das in der Schweiz in der Umwelt vorhanden ist und ich habe gelernt, dass:

1. der grösste Beitrag an Radioaktivität von Cs-137 des Bodens im Jura aus Niederschlägen aus Atomwaffenversuchen stammt (Cs, Sr, Pu, Am), die in der Atmosphäre seit den Sechziger Jahren durchgeführt werden;
2. im Tessin der Beitrag von Tschernobyl 30% der gesamten Radioaktivität in der Umwelt ausmacht ... 15 Jahre danach!
3. In einer anderen Studie war die Radioaktivität in der Umgebung aber nicht direkt im Atomkraftwerkareal (Leibstadt und Mühleberg ) gemessen worden. Ich frage mich: Warum?
4. Eine Person, die der natürlichen Radioaktivität ausgesetzt ist und die ihre gesamte Zeit draussen verbringt, empfängt eine Dosis von 0,01 mSv bis 0,5 mSv ... wobei dieser Unterschied noch auf die Einlagerungen von Cs im Anschluss an den Unfall von Tschernobyl zurückzuführen ist!!!!!

Meine gesamte Ausbildung in Radiologie unterliegt einer extrem strengen Reglementierung, was den Strahlenschutz betrifft und hat zum Ziel, das Individuum von den schädlichen Auswirkungen der Röntgenstrahlen und der Radioaktivität im allgemeinen zu schützen.

Es ist extrem schwierig für mich, dieses Paradoxon zu akzeptieren.

Einerseits muss ich um jeden Preis als Aerztin das Prinzip ALARA anwenden: As Low As Reasonable Achievable; und andererseits muss ich mit möglichen neuen nuklearen Zwischenfällen mit Lebensrisiko leben. Und wenn der 11. September als Zielscheibe ein Atomkraftwerk gehabt hätte?

Heute wird meine Aufgabe durch die Entwicklung alternativer Techniken in der diagnostischen Bildherstellung erleichtert: Wir benützen zum Beispiel die Kernspinresonanz für alles, was das zentrale Nervensystem, die Gelenke und die Wirbelsäule betrifft und die Ultraschalluntersuchung insbesondere bei der Untersuchung von Kindern und von schwangeren Frauen.

Es ist offensichtlich keine Frage, völlig auf die Röntgenstrahlen oder die Nuklearmedizin zu verzichten: Diese Techniken erlauben es, die Qualität zu verbessern und retten Leben, indem sie immer schnellere Diagnosen erlauben. Das Risiko, dem wir unsere Patienten unterziehen, ist weitaus geringer als das Risiko der Krankheit, das sie in sich tragen können. Und ihre Auswirkungen zielen auf ein Individuum ab und nicht auf eine ganze Bevölkerung. Es gibt keine Abfälle in der Radiologie und die in der Nuklearmedizin sind nicht nennenswert. Die Halbwertszeit der benützten Radioisotopen ist sehr kurz und diese sind nach einigen Tagen sogar ein Teil der gewöhnlichen Hausabfälle ... weil sie ihre Radioaktivität verloren haben ...

Wir sind gesetzlich zur Röntgendiagnostik verpflichtet und wir tun alles, um die Risiken für unsere Patienten zu reduzieren. Unsere Regierung ist verpflichtet, das anzuwenden, was sie von uns fordert: die Risiken für die schweizerische Bevölkerung zu reduzieren und aktiv unsere Bemühungen für eine Alternative zu den Atomkraftwerken unterstützen.

Nur ein Votum von 2 x Ja wird uns verpflichten, die einzig akzeptable Richtung einzuschlagen.

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Tschernobyl - Katastrophe ohne Ende

Von Dr. med. Bettina Wölnerhanssen, chirurgische Assistenzärztin, Claraspital, Basel

17 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl zeigen sich die gesundheitlichen, sozialen und gesellschaftlichen Schäden des Desasters immer deutlicher. Besonders schwer betroffen sind die Kinder in Weissrussland und der Ukraine. Dies wird das von PSR/ IPPNW organisierte internationale Symposium "Health Consequences of Chernobyl in Children" vom 15. Februar 2003 in Basel aufzeigen.

Die schlimmen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe werden im Westen kaum zur Kenntnis genommen. Ja sie werden sogar bestritten: "Es gibt abgesehen vom bereits gut dokumentierten Anstieg der Schilddrüsenkrebsfälle keine wissenschaftlichen Belege für irgendwelche signifikanten strahlungsbedingten Gesundheits- auswirkungen infolge des Tschernobyl-Unfalls von 1986." Das schrieb die Schweizerische Vereinigung für Atomenergie in einer Medienmitteilung vom 8. Juni 2000. Angesichts der traurigen Realität sind solche Behauptungen purer Zynismus.

Das unterstreichen die öffentlich zugänglichen Informationen auf der Homepage www.chernobyl.info/de Verantwortliche Herausgeberin ist die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) in Bern. Ich zitiere daraus vier Punkte:

··Von den rund 800'000 Liquidatoren, die bei den Aufräumarbeiten beim geborstenen Reaktor am stärksten verstrahlt wurden, sind bisher 25'000 gestorben.

· Offiziell anerkannt ist, dass mindestens 1800 Kinder und Jugendliche in den am stärksten belasteten Gebieten von Weissrussland aufgrund der Reaktorkatastrophe an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Schilddrüsenkrebsfälle unter Kindern und Jugendlichen in den kommenden Jahrzehnten auf 8 000 steigt. Diese Zahl nennt der Bericht einer Expertendelegation im Auftrag des United Nations Development Program (UNDP) und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) vom Januar 2002. Die WHO schätzt, dass diese Zahl in den kommenden Jahrzehnten gar auf erschreckende 50'000 steigen wird.

· International anerkannt ist auch die Zunahme der Brustkrebserkrankungen als direkte Folge der Reaktorkatastrophe. Ihre Zahl hat sich in den Gebieten rund um das weissrussische Gomel bis Ende 1999 im Vergleich zu 1988 verdoppelt.

· Das ukrainische Gesundheitsministerium registrierte für die Phase von 1986 bis 1990 neben einer erhöhten Anzahl von Fehl-, Früh- und Totgeburten dreimal mehr Fehlbildungen und Entwicklungsanomalien bei den Neugeborenen.

Diese beklemmenden Tatsachen machen mich betroffen. Noch beklemmender ist die Tatsache, dass wissenschaftliche Erkenntnisse unter dem Deckmantel der Wissenschaft "wegen fehlender Beweise" angezweifelt und negiert werden. Auch in der Schweiz.

Tschernobyl ist eine Katastrophe ohne Ende. Die langfristigen Folgen, die sich bereits heute abzeichnen, sind alarmierend:

· Krebsspezialisten rechnen damit, dass eine Reihe von Krebserkrankungen bei Erwachsenen erst in 20 bis 30 Jahren nach der Reaktorkatastrophe zum Ausbruch kommen.

· Es gibt ernstzunehmende Hinweise auf Veränderungen des menschlichen Erbgutes und mögliche Missbildungen auch durch Niedrigstrahlung (Kontamination über Nahrungsaufnahme). Veränderungen in der Keimbahn können von Generation zu Generation weitergegeben werden und mit jeder Generation nimmt die Anzahl Betroffener zu.

In der Schweiz sei ein "Tschernobyl" nicht möglich, sagen unsere Sicherheitsexperten. Das ist für mich kein Grund zur Beruhigung. Ausschliessen können wir eine solche Katastrophe nicht. Das Atomrisiko ist darum nicht verantwortbar. Das allein ist Grund genug, jetzt vorzubeugen: Mit einem schrittweisen, wohlüberlegten Ausstieg aus der Atomenergie. Das gebietet uns unsere Verantwortung gegenüber unseren Kindern und den kommenden Generationen. Vorbeugen ist besser als heilen.

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Die Chance nutzen - der Vernunft zuliebe

Dr. med. Daniela Schlettwein-Gsell, Sozial- und Praeventivmedizin, Basel

Als ich zur Schule ging fiel die Atombombe - Hiroshima, mon amour - die Assoziation "Atom gleich Tod, gleich Brandwunden, gleich grausames Leid" ist nie mehr verschwunden.

Als ich Medizin studierte, begann die hohe Zeit der Technologiefreudigkeit: Die Wasserkräfte müssten sich beeilen, erzählte man uns, um sich auszuzahlen eh sowieso aller Strom durch Atomkraft geliefert werde. Ob wohl die Grand Dixence noch fertig werde, fragten wir uns.

Und wir sahen, wie sie entstanden, die beiden Benznau 1969 und 71, Mühleberg 1972, weitere in Sicht, ein Reaktor nach dem anderen - und gleichzeitig lernten wir in der Klinik, dass wenige Gamma Strahlen genügen um ein Menschenleben auszulöschen. Das ist ja das Absurde, dass alle Fachleute von Anfang an gewarnt haben, und wir trotzdem zusehen. Aber wir waren ja selber geprägt vom Fortschrittsglauben - erst als es Tote gab in Harrisburg, als man von Krebsfällen um Sellafield murmelte, standen wir auf ...

Die Helvetia hier hinter uns musste sich auch erst lösen aus ihrer Prägung in der Münze, musste Speer und Schild ablegen, sich umsehen, eine eigene Meinung bilden - so haben auch wir uns auf den Weg gemacht, sind nach Kaiseraugst gezogen, zu Hunderten erst, zu Tausenden dann, allem Spott, allen Verleumdungen zum Trotz. Wir wollten diese Gefahr nicht in der unmittelbaren Nähe unserer Stadt.

l988 wurde Kaiseraugst als Projekt abgeschrieben, letztlich dank den wirtschaftlichen Ueberlegungen eines Christoph Blochers. Vorher wurden noch Gösgen und Leibstadt in Betrieb gesetzt und das grosse Unglück in Tschernobyl musste geschehen. Sogar bei uns noch mussten im Seeland ganze Gemüsefelder wegen Verstrahlungen entsorgt werden, wurden die Fische in den Seen und die Pilze in den Wäldern ungeniessbar.

Damals haben wir aufgeatmet, wer würde wohl je noch Atomkraft wollen? Weltweit wurden inzwischen 123 AKWs abgestellt, 45 allein in den USA, 18 in Deutschland - und trotzdem, wie die Helvetia sind wir nachdenklich geworden: warum gehört unser Land zu den vier einzigen, die in Europa noch unbefristet Atomkraft weiterverfolgen? (Folie)

Und dies obgleich es in Russland strahlenverseuchte Seen gibt, obgleich in Japan etwelche Unfälle verheimlicht werden, obgleich Piloten ausgebildet werden, um in Reaktortürme zu fliegen, obgleich Terroristen nach Brennstäben suchen. Wir müssen nicht glauben, dass solches nicht auch in der Schweiz vor sich geht.

Warum schliessen wir uns nicht der in Europa wachsenden Zahl von Ländern an, die den Ausstieg beschlossen haben, die Beispiel setzen wollen dafür, dass es machbar ist, ohne diese Gefahr zu leben? Warum sollen ausgerechnet wir, mit soviel Möglichkeiten und Know-how für nachhaltige Stromerzeugung, weiterhin zögern? Wir dürfen doch den technologischen Anschluss nicht verpassen!

Die kommende Abstimmung gibt uns eine Chance. Nutzen wir sie - der Vernunft zuliebe, unserem Land zuliebe, der Helvetia zuliebe.

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Initiativen als Weg aus der Atomfalle

Dr. med. Paul Günter, Nationalrat, Bern

Kernenergie ist gefährlich. Eigentlich wissen es alle.

Wir haben schon oft darauf hingewiesen, dass die radioaktiven Abfälle eine Hypothek für die Nachkommen sind. Abstimmungen zeigen klar, dass auch die Bevölkerung dieser Meinung ist - alle Propaganda- Millionen und versprochenen Steuergeschenke nützten am Wellenberg nichts. Die sich wehrenden Mehrheiten werden im grösser.

Dass die Werke uns schon heute gefährden, ist spätestens seit Tschernobyl auch klar. Alle Sachkundigen wissen, wenn Gösgen einen Super-Gau hat, gibt es die Schweiz, wie wir sie jetzt kennen, nicht mehr.

Die Förderung der nachhaltigen Energiegewinnung und -nutzung ist nicht nur gut für unsere Gesundheit. Sie bringt auch denjenigen Bereich im Energie-Geschäft, wo die Schweiz etwas zu bieten hat zum Blühen. Hier kann unsere Wirtschaft produzieren und Gewinne machen. Hier liegen Märkte der Zukunft.

Unsere Argumente sind durch die Entwicklung der Zeit stärker, valabler geworden. Neu kommt dazu die Gefahr des Terrorismus.

Der bekannte Militärstratege (und KKW-Befürworter) Dominique Brunner wirbt inzwischen in der einschlägigen Fachliteratur dafür, die KKW mit automatisierten Flabgeschützen zur Abwehr von Flugzeugen in der Gewalt von Attentätern auszurüsten. Denn auch ihm ist klar, die heutigen Schweizer KKW sind gegen eine derartige Attacke hilflos und der drohende Schaden ist unfassbar.

Wir wissen: Der bessere und praktikablere Schutz ist das Abstellen der Werke.

Die neue Gefahr müsste eigentlich auch die Kernenergie-Lobbyisten im Parlament vorsichtig gemacht haben. Leider ist das Gegenteil geschehen. Angesichts der Tatsache, dass ihnen die Felle davonschwimmen, ist bei den Atombefürwortern eine allgemeine Trotzhaltung aufgekommen.

Es ist effektiv wie bei Disputen auf dem Pausenplatz: Wenn dem Muskulöseren die Argumente ausgehen, schlägt er halt mit der Faust drein.

Der Zeit angepasst wäre ein Kernenergiegesetz gewesen, das sanft den Ausstieg vorbereitet.

Aber in einem letzten Aufbäumen haben die Hardliner im Gegenteil ein Atomförderungsgesetz geschaffen, das

- Keine Betriebsbefristung für alte KKW vorsieht
- Das die Wiederaufbereitung nicht verbietet
- Die Mitbestimmung der Kantone abschafft.

Das ist doch eine äusserst seltsame Auffassung der Demokratie, welche die bürgerliche Mehrheit der Räte an den Tag legt: Wenn das Volk von einem Mitbestimmungsrecht nicht so Gebrauch macht, wie die gnädigen Herren sich das vorstellen und zum Wellenberg NEIN sagt, weil es keinen radioaktiven Müll in der Nähe will, dann wird dieses Recht einfach abgeschafft.

Fazit: Es ist ganz wichtig, dass unser Volk sich dieses Angriffs auf seine Rechte bewusst wird, denn hier gilt: Wehret den Anfängen.

Die beste Art sich zu wehren, ist die Zustimmung zu den Initiativen Strom ohne Atom und MoratoriumPlus. Beide Initiativen sind realistisch formuliert.

MoratoriumPlus bringt eine Fehlentwicklung zumindest zum Stoppen, Strom ohne Atom zeigt den kreativen Weg aus der Atomfalle auf.

Die Alternativen zur Atomenergie sind da. Wir können den Schritt jetzt wagen. Die Bahn fährt schon heute praktisch atomstromfrei, die Ski-WM in St. Moritz funktioniert mit 100% Ökostrom von der Rätia Energie und in Operationssälen werden Ärztinnen und Ärzte auch ohne Atomstrom Leben retten.

Ich stimme deshalb aus Überzeugung 2 x Ja, weil dies für unser Land richtig und nötig ist.

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