Nationales Ärztekomitee Atomrisiko begrenzen - 2 * JA

 

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Commentaire de Presse

Tages-Anzeiger; 17.1.2003

Zu Risiken und Nebenwirkungen der Atomenergie

Bern. - Die Atomenergienutzung gefährde die Gesundheit der heutigen und kommender Generationen, sagt das Nationale Ärztekomitee «Atomrisiko begrenzen 2 × Ja», das gestern in Bern seine Unterstützung der Initiativen «Strom ohne Atom» und «MoratoriumPlus» bekannt gab.
Die Abstimmung vom 18. Mai biete Gelegenheit, auf risikoärmere Technologien umzusteigen. Dies sei aufgrund des Vorsorgeprinzips ein Gebot der Stunde, meinten Exponenten des Komitees, dem bisher rund 350 Ärztinnen und Ärzte aus der ganzen Schweiz angehören. Wäre Atomenergie ein Medikament, müsste es sofort vom Markt genommen werden, fand die Berner Kinderkrebsspezialistin Anette Ridolfi Lüthy. Der schönen Verpackung, welche die Atomenergie als Heilmittel gegen die Klimaerwärmung anbiete, fehle der Beipackzettel mit den Informationen über die Risiken und Nebenwirkungen. Diese seien nicht kalkulierbar und lebensbedrohend, wobei vor allem Kinder gefährdet seien, die gegenüber Strahlen zehnmal empfindlicher seien als Erwachsene. Die Basler Assistenzärztin Bettina Woelnerhanssen wies auf die gesundheitlichen, sozialen und gesellschaftlichen Schäden hin, die sich 17 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe immer deutlicher zeigten. Die Verharmlosung der Tschernobyl-Folgen durch die Schweizerische Vereinigung für Atomenergie bezeichnete sie als puren Zynismus. Die Informationen, die auch von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) verbreitet würden, sprächen eine ganz andere Sprache. (mai.)


Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2003

Nationales Ärztekomitee für Atomausstieg - Warnungen vor Risiken und Nebenwirkungen

wao. Bern, 16. Januar 2003

Das nationale Ärztekomitee "Atomrisiko begrenzen - 2× Ja" hat am Donnerstag in Bern die Unterstützung für die Volksinitiativen "Strom ohne Atom" und "Moratorium plus" erklärt. Das Komitee wird von den Organisationen "Ärztinnen und Ärzte für soziale Verantwortung" und "Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz" unterstützt. Hauptforderung der erstgenannten Initiative ist die schrittweise Stilllegung der Atomkraftwerke (AKW), letztere fordert die Verlängerung des AKW- Baustopps um weitere 10 Jahre.

Keine Lösung für das Klimaproblem

Die im Komitee vertretenen Ärztinnen und Ärzte wollen die Gesellschaft ganz allgemein auf gesundheitsgefährdende Risiken aufmerksam machen, wie Annette Ridolfi Lüthy, leitende Ärztin der pädiatrischen Onkologie des Inselspitals Bern, sagte. In diesem Sinne müssten sie sich geradezu gegen die Atomenergie einsetzen. Diese werde heute der Bevölkerung zwar als "Heilmittel" gegen die Klimaerwärmung verkauft, allerdings fehle der "schönen Verpackung" der Beipackzettel mit Informationen zu Risiken und Nebenwirkungen. Diese seien lebensbedrohend und nicht kalkulierbar. Die Kette von Indizien, dass alle Arten von Atomanlagen bei Menschen genetische Schäden und Krebs verursachten, sei lang und eindrücklich. In der Umgebung der Wiederaufbereitungsanlage von Sellafield beispielsweise fänden sich erhöhte Raten von Leukämien bei Kindern und Totgeburten. Die Atomenergie sei auch deshalb kein geeignetes Instrument zur Lösung des CO2-Problems, weil der Anteil des Atomstroms am weltweiten Energieverbrauch lediglich 3 Prozent betrage und allein zur Substitution des weltweiten Energiezuwachses während der letzten 10 Jahre 1500 neue Atomkraftwerke notwendig gewesen wären. Dies zeige die Absurdität einer Substitutionsstrategie, so Ridolfi.


Die dramatischen Folgen von Tschernobyl

Die Basler Assistenzchirurgin Bettina Woelnerhanssen wies auf die dramatischen gesundheitlichen und sozialen Schäden hin, die sich 17 Jahre nach der Katastrophe in Tschernobyl in den betroffenen Gebieten immer deutlicher zeigten, im Westen aber kaum wahrgenommen würden: Von den 800"000 "Liquidatoren" seien bisher 25"000 gestorben, mindestens 1800 Jugendliche seien an Schilddrüsenkrebs erkrankt, und die Brustkrebserkrankungen, die Fehl-, Früh- und Totgeburten sowie die Fehlbildungen und Entwicklungsanomalien bei den Neugeborenen hätten stark zugenommen. Eine vergleichbare Katastrophe sei auch in der Schweiz nicht auszuschliessen und die Fakten zeigten, dass das Atomrisiko nicht zu verantworten sei, sagte Woelnerhanssen. Nationalrat und Chefarzt Paul Günter (sp., Bern) stellte fest, dass Atomkraftwerke auch Zielscheibe eines terroristischen Angriffes sein könnten. In Militärkreisen überlege man sich deshalb, Kernkraftwerke mit automatisierten Flabgeschützen auszurüsten. Der wirksamste Schutz sei allerdings das Abstellen der Werke.


 
Bettina Eichin "Helvetia en voyage“ Bettina Eichin "Helvetia en voyage“ Bettina Eichin "Helvetia en voyage“